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Lymphödem: Bauchgefühl oder Datenproblem? – Warum KI hier eigentlich zwingend ist

  • Schmitz
  • 12. April 2026 um 13:57
1. offizieller Beitrag
  • Schmitz
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    • 12. April 2026 um 13:57
    • #1

    Ich formuliere es bewusst etwas zugespitzt: Die Verlaufsbeobachtung beim Lymphödem ist in vielen Fällen erstaunlich unpräzise – und das im Jahr 2026.


    Wir diskutieren auf Basis von Aussagen wie: „fühlt sich heute dicker an“ oder „gestern war besser“.


    Das ist menschlich nachvollziehbar – aber methodisch schwach.

    Ein Lymphödem ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamisches System mit:

    • zeitabhängigen Schwankungen
    • verzögerten Reaktionen (Rebound-Effekte)
    • nichtlinearem Verhalten unter Belastung und Kompression
    • Und genau solche Systeme lassen sich nicht sinnvoll mit Einzelbeobachtungen bewerten.


    Der naheliegende Schritt: systematische Datenerhebung + KI.


    Was liegt also näher, als das Problem wie ein Messproblem zu behandeln?

    1. Standardisierte tägliche Bilddaten

    • gleiche Uhrzeit
    • gleiche Position
    • gleiche Lichtverhältnisse


    Nicht „ab und zu ein Foto“, sondern eine Zeitreihe.

    2. KI als Auswertungsinstrument (nicht als Spielerei)

    Die KI bewertet nicht „schön oder nicht schön“, sondern:

    • relative Volumenveränderungen
    • Konturverschiebungen
    • Hautveränderungen im Verlauf


    Entscheidend: Nicht das einzelne Bild – sondern die Ableitung von Trends.


    Warum das überlegen ist

    Erst durch eine dichte Zeitreihe werden Dinge sichtbar, die man sonst übersieht:

    • Rebound-Effekte nach Entstauung oder OP
    • verzögerte Reaktionen auf Belastung (z. B. langes Sitzen)
    • tatsächliche Wirkung von Kompression (und nicht nur das Gefühl davon)

    Oder anders gesagt: Man sieht nicht mehr nur Zustände – sondern Dynamik.

    Ich sehe bei mir z. B., dass nach jeder LVA die Schwankungsbreite deutlich abnimmt, obwohl einzelne Messpunkte kurzfristig wieder ansteigen – genau solche Effekte wären ohne Zeitreihe kaum einzuordnen und würden fälschlicherweise als Verschlechterung interpretiert.


    Der eigentlich spannende Punkt: Korrelationen

    Wenn man das Ganze mit Kontextdaten kombiniert:

    • Aktivität
    • Kompressionstyp
    • Lymphdrainage

    entsteht plötzlich ein Bild: Nicht mehr „was passiert“, sondern „warum passiert es“.


    Und ja – auch klinisch relevant

    Ein weiterer Aspekt ist die frühere Erkennung von Komplikationen wie einem Erysipel.

    Nicht erst dann reagieren, wenn es offensichtlich ist, sondern:

    • subtile Rötungen
    • lokale Veränderungen
    • beginnende Muster im Verlauf

    Das ist kein Ersatz für den Arzt – aber eine deutlich bessere Grundlage.


    Mein Fazit:

    Wer ein Lymphödem langfristig managen will, kommt an strukturierter Datenerhebung eigentlich nicht vorbei.

    Alles andere ist – überspitzt gesagt – ein Arbeiten im Blindflug mit gelegentlichen Momentaufnahmen.

    KI ist hier kein „nice to have“, sondern ein logischer nächster Schritt.

    Happy days

    Stephan

    4 Mal editiert, zuletzt von Schmitz (12. April 2026 um 14:18)

  • Marcus_Koller
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    • 12. April 2026 um 18:03
    • Offizieller Beitrag
    • #2

    Moin Stephan,

    das wäre der Hammer 😄 und die ganze Geschichte noch als App für die Patienten, mit einer Vorgabe, wie und wo in welchem Licht wiederholt die Fotos gemacht werden sollen und eine Anleitung die eine einfache und kontinuierliche Kontrolle ermöglicht.

    Spukt das einfach in deinem Kopf oder ist da etwas in "Arbeit"?? 👀

    Liebe Grüße
    Marcus Koller

    Physiotherapie und Heilpraktik
    Rothenbaumchaussee 3
    20148 Hamburg-Rotherbaum
    Telefon 040 4140 5252 +WhatsApp
    https://lymphinity.de
    info@marcuskoller.de

  • Schmitz
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    • 12. April 2026 um 21:02
    • #3

    Moin, moin,

    Tja, eigentlich könnte man da ein Lastenheft erstellen und dann programmieren lassen, da bräucht ich aber noch medizinische Expertise, denn ich kenne nur MEIN Lymphödem und man muss einen großen Markt abgreifen, aber technisch wäre das möglich.

    Ich mach das relativ oft und es funktioniert erstaunlich gut.....vor allen Dingen ist die Einschätzung und Bewertung einer Hautrötung...Erysipels?? super gut möglich. Da waren sogar manche mei er Ärzte erstaunt.

    Viele Grüße

    Stephan

  • KyraK.
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    • 16. April 2026 um 09:44
    • #4

    Das hört sich ja super spannend und innovativ an! 😃

    Obwohl ich auch ein paar Punkte dazu kritisch sehe… Zum Beispiel kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen, wie das mit den Fotos immer zur gleichen Uhrzeit und bei gleichen Lichtverhältnissen funktionieren soll. Die verändern sich ja zum Beispiel über‘s Jahr und viele Menschen stehen auch nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit auf. Das Foto müsste ja dann immer bei rein künstlichem Licht an exakt der gleichen Stelle mit einem wiederkehrenden, immer gleich bleibenden Größenreferenzpunkt erfolgen, damit es für die KI wirklich vergleichbar ist und sie mit den Daten auch verlässlich lernen kann. Da finde ich selbstständig vorgenommene Messungen nach genauer Anleitung z.Bsp. immer direkt nach dem Aufstehen in der selben Position irgendwie doch verlässlicher für eine systematische Datenerhebung…

    Um das Lymphödem durchgängig zu dokumentieren und alle Maßnahmen im Alltag unter einen Hut zu bekommen, fände ich so ein Tool wie eine App oder ein Programm aber schon sehr praktisch und könnte mir auch gut vorstellen, dass die KI dann eher bestimmte, individuelle Muster über einen längeren Zeitraum erkennt und Empfehlungen geben kann z.Bsp. bezüglich einem Trainingsplan für fördernde Sportarten, regelmäßigkeit der Lymphdrainage, Bestrumpfung und Bandagierung, die Empfehlung für ärztlichen Rat bei plötzlicher Veränderung etc. (So etwas gibt es ja auch schon für andere Krankheiten, bei denen Selbstmanagement helfen kann, wie für Migräne zum Beispiel…)

    Und auch Rötungen fotografisch zu dokumentieren, finde ich gut. Da kann ich mir die Erysipel-Erkennung anhand von Bildern durch KI besser vorstellen, als das Erkennen von Umfangsschwankungen oder einer Gewebelockerung…

    Was ich auf jeden Fall, richtig toll finde, Stephan, ist, wie du deine Lymphödem-Erkrankung so ausführlich und wissenschaftlich dokumentierst, und sie dann auch noch nutzt, um daraus solche Ideen zu generieren! Das ist irgendwie ein sehr schöner Weg, damit umzugehen… Ich habe Kommunikationsdesign studiert und mir selber schon sehr oft überlegt, ob ich mein Lymphödem auch irgendwie in dem verarbeiten kann, was ich beruflich tue, sodass es mich nicht nur bei der Arbeit behindert, sondern mir und anderen auch in Zukunft hilft, damit zu leben! Und das finde ich, machst du richtig gut, Stephan! 😃

  • Schmitz
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    • 16. April 2026 um 11:21
    • #5

    Das muss man gar nicht so „perfekt“ denken 🙂

    Entscheidend ist nicht die exakt gleiche Uhrzeit oder identische Lichtbedingungen, sondern dass es in etwa konsistent bleibt – z. B. immer morgens nach dem Aufstehen oder abends zu einer festen Routinezeit.

    Die KI kann man zusätzlich so nutzen, dass sie sich die individuellen Rahmenbedingungen „merkt“ (Zeitpunkt, Licht, Position etc.) und darauf aufbauend trotzdem sinnvolle Vergleiche zieht. Es geht also eher um relative Veränderungen im eigenen Verlauf als um absolute Perfektion.

    Am Ende gilt ganz pragmatisch:

    Man kann es einfach ausprobieren – und dann sieht man ziemlich schnell, wie gut es im Alltag funktioniert. Versuch macht klug 👍

    Happy Days from Namibia

    Stephan

  • KyraK.
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    • 16. April 2026 um 14:03
    • #6

    Das ist schon krass, was im KI-Bereich inzwischen so möglich ist…

    Bin jetzt auch kein großer KI-Kritiker, aber sehr großer Fan davon, sie sinnvoll einzusetzen und sinnvoll zu füttern. 😊 Leider seh ich das sehr oft – hat bestimmt auch was mit meinem kreativen Umfeld zu tun –, dass KIs mit sehr viel Ramsch gefüttert werden und dann auch sehr viel Ramsch produzieren… Deswegen hatte ich den Gedanken, dass die eingespeisten Daten doch bestimmt sehr genau sein müssen, um tatsächlich wissenschaftliche Ergebnisse zu erhalten. Aber es einfach als Test und zum ausprobieren zu sehen, ist natürlich auch eine Möglichkeit… Bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Idee weiter entwickelt 😁👍🏼

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